/* */
Hire Button Image
         Bestellformular

Ihr Name (Pflichtfeld)

Ihre Email Adresse (Pflichtfeld)

Ihre Adresse (Pflichtfeld)

Ihre Telefonnummer (Pflichtfeld)

Titel (Pflichtfeld)

Anzahl (Pflichtfeld)

Ihre Nachricht

Bitte den angezeigten Code in das darunterliegende Feld eintragen und auf "senden" klicken:
captcha

Peter Rühmkorf: Ansteckendes Pfeifen – Eine Gedichtauswahl


“Vier Herren sind es, würdig und weise, die auf ihren Sockeln vor dem Haus der deutschen Dichtung wachen.” schrieb Thomas Steinfeld in der FAZ zu Peter Rühmkorfs siebzigsten Geburtstag: “Der vierte trägt gern eine Schiebermütze und gefällt sich in der Pose eines poetischen Eckenstehers.”
Der Band enthält 29 Gedichte, die Svato Zapletal in Absprache mit Peter Rühmkorf ausgesucht hat. Das Spektrum dieser Sammlung reicht von den fünfziger Jahren bis zu Gedichten, die Rühmkorf noch 2004 geschrieben hatte und die bis dahin nur in der FAZ abgedruckt wurden.

Gerade in diesen neuen Texten, vom Autor auch “Capriccios” genannt, führt Rühmkorf seine ironisch gebrochene, anspielungsreich hinterfragende und immer auch von Vanitas umwehte Lyrik zu neuer Meisterschaft: es sind kleine, trotz der Kürze reiche Assoziationen hervorrufende Szenen oder Bilder, die wie ein unerwartetes Quod erat demonstrandum mit einer erhellenden Pointe enden. Hier fließen Lebens- und Schreiberfahrung eines Autors zusammen, der, wie es in der FAZ hieß, “das engste Verhältnis zur literarischen Tradition der deutschen Sprache” hat.
So trifft man gerade auch in den früheren Gedichten über das Leben, die Liebe und die Poesie auch immer Rühmkorfs literarische Ahnen, beispielsweise in “Reisender” aus den siebziger Jahren, in dem Walther von der Vogelweide angerufen wird: “Lös oh lös meine Ketten von der Rentnerbank.” Der Wunsch des Dichters, dereinst im Himmel von Bellman, Benn und Ringelnatz eingeladen zu werden, doch bei ihnen Platz zu nehmen, ist da ebenso folgerichtig wie nachvollziehbar.
Die drei anderen Herren vor dem Haus der deutschen Dichtung sind übrigens Grass, Walser und Enzensberger, heißt es in der FAZ. Und Rühmkorf ist “der Munterste in dieser Gruppe, und deswegen hat er Freunde, wohin er auch kommt und geht.”
Johannes Nawrath
Peter Rühmkorf: Ansteckendes Pfeifen 29 Gedichte, davon zehn neue, noch nicht in Buchform veröffentlicht. Mit zehn Farblinolschnitten von Svato Zapletal. Text zweifarbig aus der Vega halbfett, 10 Punkt. Format 32 x 24 cm, 60 Seiten. Typografie und Gestaltung von Svato Zapletal, buchbinderische Verarbeitung, Atelier Krupka. Alle Exemplare von Peter Rühmkorf und Svato Zapletal signiert. Erstausgabe, Hamburg 2004.

Ausgabe A – als Luxusausgabe – vergriffen

Ausgabe B – als Vorzugsausgabe – römisch nummerierte Exemplare, auf 230 g Römerturm-Bütten gedruckt. Farbig bedruckter, handgeschöpfter Bütteneinband mit Prägung. Schnitt berauft. Dieser Ausgabe liegt eine Zusatzgrafik bei. Alle Grafiken im Blatt signiert und nummeriert. In einem festen, farbig gestalteten Schuber.

Ausgabe C – als Normalausgabe – arabisch nummerierte Exemplare sind auf 170 g Excudit-bibliofil Karton gedruckt. Farbig gestalteter Pappband im handgeschöpften gelben Bütten, Schnitt berauft. Im Pappschuber.

Mappe – zusätzlich erscheint eine Mappe mit allen elf Grafiken in einer Auflage von vier Exemplaren. Der Mappe liegt eine farbige Originalzeichnung bei. (Die Grafiken sind auch einzeln erhältlich.)
In der FAZ, Nr. 6/2005 (Frankfurter Anthologie), schrieb Jan Philipp Reemtsma zu dem Gedicht “Hochverehrte Frau, /Sie tun mir Leid” von Peter Rühmkorf folgendes:
Jan Philipp Reemtsma: Ein Endspiel
Der siebzigjährige Christoph Martin Wieland ließ in dem historischen Roman “Aristipp und einige seiner Zeitgenossen” den Titelhelden, einen Zeitgenossen Platons, sagen, daß ihm an dessen Abhandlung über den Staat (“Politeia”) am besten die dort gemachten Bemerkungen über das Alter gefielen. Schlägt man dort nach, so liest man, daß der Tragödiendichter Sophokles auf die Frage, ob er in seinem hohen Alter noch “einer Frau beiwohnen könne”, gesagt habe: “Still doch! Wie gern bin ich davon losgekommen, als käme ich von einem tollen und wilden Herren los!” Und kommentiert wird das dort mit: “Man hat von dergleichen im Alter große Ruhe und Freiheit.” Auch Platon war, als er das schrieb, nicht mehr der Jüngste, obwohl er noch einiges vor sich hatte.
In Rühmkorfs Gedicht treffen sich zwei, die einander kennen, weil sie einander schon mal über den Weg gelaufen sind. Damals wollte er was von ihr. Sie aber wollte keine Affäre, sondern das, was man heutzutage “eine Beziehung” nennt. Jetzt, viel später, wäre sie einer Affäre nicht abgeneigt, aber er… – sagen wir: Er winkt ab. Sie sind beide in die Jahre gekommen. Nicht, daß sie nun nähme, was sie kriegen kann – aber ihr ist mit der Erkenntnis, daß die Chancen für kurzlebige Affären sich mindern, deren Wert gestiegen. Und sie erinnert sich und fragt mit Blicken, ob seine Lust auf etwas Flüchtiges von Dauer sei. Aber er… – sagen wir: kann erneut mit Dauer nicht dienen. Er ist nicht mehr der, der er war, als sie die noch nicht war, die sie jetzt ist. Es liegt nicht an ihr, es liegt nicht an ihm, es liegt am timing, vulgo: Schicksal. Da kann man nichts machen.
Es ist etwas wie ein Endspiel. Wenige Züge nur noch, das Brett ist übersichtlich geworden. Ein Endspiel auch im Sinne von Becketts “Endspiel”, man konstatiert: “Es ist zu Ende”. Sie könnten uns leid tun, die beiden. Aber sollten sie uns leid tun? Es ist eine Frage der Perspektive. Wir können sie ansehen wie die Königskinder, die zusammen nicht kommen konnten, weil das Schicksal es nicht wollte, oder wir können sagen: dass beide doch wenigstens einmal bekommen haben, was sie wollten – zwar jeweils auf Kosten der Wünsche des anderen, aber am Ende bleibt die Symmetrie gewahrt. Er sagt ja nicht, dass er sich leid tut, auch nicht, “wir sollten uns leid tun”, sondern nur: “Sie tun mir leid”, denn jetzt kann er nichts mehr für sie tun. Aber sollte ihm das nicht leid tun?
Vielleicht ist er nicht der vollendete Gentleman. Wäre er einer, würde er die Vergangenheit nicht auftischen. Aber Gentleman und Sinn für Tragik, das schließt einander wohl aus. Doch wird auch die Tragik des Aneinander-vorbei-geliebt-Habens nicht ins Pathetische getrieben. Ins Ästhetische schon. Und das hat bis zum bitteren Ende und gerade bei der Darstellung des bitteren Endes einen Vitalitätsüberschuss. Der Er-im-Gedicht betreibt die Sublimierung der Rest-Libido zu einer ziselierten Ästhetik des Finalen – und das Gedicht schafft ihm dafür, unter anderem durch die Häufung des Schmerz-Diphthongs “au”, der dadurch zu einer Art lebensabendlichen Abschiedsgeläutes wird, das dunkle Vokalambiente…
Aber Endspiele sind auch nur Stoffe unter anderen. Wie alle anderen sind sie dazu da, dass sich die Form an ihnen übt, und wenn auch zur Sache selbst nichts weiter zu sagen ist, so kann die Art und Weise des Wie doch immer entzückend variiert werden und so sicherstellen, dass die Wirklichkeit nicht das letzte Wort hat. Im übrigen: auch Becketts “Endspiel” fängt ja so an. “Es ist zu Ende. Es geht zu Ende. Es geht vielleicht zu Ende.” – Peter Rühmkorf

Hochverehrte Frau,
Sie tun mir leid
Hochverehrte Frau, Sie tun mir leid.
Weil, Sie geben sich zum Schein gefaßt,
doch die lichten Augen gehen in Trauer.
Ja, Sie sahen allerliebst aus seinerzeit
Aber haben aus Versessenheit auf Dauer
höchst bedauerlich
den Augenblick verpasst.
Und Sie hörten gern mal wieder, na wie isses?
Was ich sofort seh, verehrte Frau,
respektive, wär es nicht was Dolles,
sich heut Abend was Verruchtes anzutun?
Aber nun
trag ich selber so ein ungewisses
ausgesuchtes weihevolles
Beinahnichtvorhandensein zur Schau.

Preise: siehe Preisliste