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Biografie und Svato Verlag

 

Die Buchkunst des Svato Zapletal

Das künstlerisch illustrierte Buch, der Pressendruck – was ist so wichtig an ihnen? Und provokant gefragt: Ist nicht gerade die Illustration ein durchaus entbehrlicher Luxus? Die Bücher des Svato Verlags geben darauf eine klare Antwort: Wir brauchen diese Bücher unbedingt; wir müssen sie haben, weil sie imstande sind, unsere Sinne, unsere Sensitivität enorm zu schärfen, und dies nicht nur gegenüber den literarischen Texten, sondern letzten Endes gegenüber dem Leben selbst.

Es ist ja kein Zufall, dass in der Geschichte des Buches die Kombination von Text und Bild immer schon herausragende Bedeutung hatte. Schon im Mittelalter und in der Renaissance begegnen uns mit den illuminierten Handschriften die schönsten Beispiele überhaupt für diese Kombination, und auch unmittelbar nach Erfindung des Buchdrucks bildeten illustrierte Bücher die markantesten Beispiele für die Leistungsfähigkeit des neuen Mediums. In diesem Zusammenhang sollte man sich daran erinnern, dass in Europa noch kurz vor der von Johannes Gutenberg angestoßenen Revolution eine ebenso folgenschwere Revolution der Bildmedien stattgefunden hat, nämlich mit dem Aufkommen von Holzschnitt und Kupferstich. Und wenn auch für die nächsten Jahrhunderte das illustrierte Buch zumeist im Bereich des Schwarzdrucks verblieb (die Möglichkeit der Handkolorierung einmal beiseite gelassen), so bildete es doch immer einen ganz wichtigen Bereich der Buchproduktion und jedenfalls den Bereich, der uns heute unter buchhistorischer und Sammler-Perspektive am allermeisten interessiert. Das Buch ist also von jeher nicht bloßes Textmedium, und das illustrierte Buch kann keineswegs als ein Sonderfall betrachtet werden. Umgekehrt ließe sich sogar behaupten, dass reinen Textdrucken etwas Defizitäres anhaftet und das Medium Buch erst in der Verknüpfung von Text und Bild ganz zu sich selbst findet. Die höchste Stufe bildet hier natürlich die Verbindung von literarischem Werk und künstlerischer Illustration.

Was sich aus der Buchgeschichte ableiten lässt, bestätigt jeder Blick in ein von Svato Zapletal gestaltetes Buch aufs Eindrücklichste: Der durch diese Gestaltungsarbeit entstehende „Mehrwert“ eines solchen Buches ist so schlagend, dass  sich jede Diskussion über deren Notwendigkeit von selbst verbietet. Denn wenn der Begriff Illustration (ähnlich wie schon die mittelalterliche Illumination) wortwörtlich für Erhellung oder Erleuchtung steht, so wird genau dieser Effekt des Erhellens jedem spürbar, der sich auf eine Auseinandersetzung mit diesen Büchern einlässt – ob das nun Erzählungen Hans Henny Jahns oder Bohumil Hrabals, ein satirisches Gedicht von Kurt Tucholsky oder Erik Saties „Gedankengänge eines Dickkopfes“ betrifft. Hier geht es nicht um Buchschmuck, um Formen der „Behübschung“: Als eine Form grafischer Reflexion zielen die Bilder vielmehr direkt in die Tiefendimensionen jener gedanklichen Welten, die von den gewählten Texten gestiftet werden. Man könnte einwenden, es sei die Lesart des Svato Zapletal, in die der Betrachter hineingeführt wird. Ja, aber es ist nichts Willkürliches an dieser Lesart, allein schon, weil sie in seinem Fall stets aus intensivster Befassung mit dem Werk resultiert. Der bildgrafische Kommentar kann so die Funktion des Türöffners übernehmen; dem Leser bleibt das eigene Texterleben unbenommen. Doch wird ihm auf die Sprünge geholfen, beispielsweise indem die Modernität oder auch Aktualität eines vielleicht hundert Jahre alten Gedichts oder einer Erzählung optisch unterstrichen und vermittelt wird. Die Illustration, wie Svato Zapletal sie handhabt, vermag – nicht selten durch unterschwellige, d.h. nicht bewusst wahrgenommene Signale – eine besondere Gestimmtheit zu erzeugen, die überhaupt erst empfänglich macht für die Botschaften der Texte. Denn es ist ja so: Die (in der Regel einfarbig schwarze) Schriftseite  repräsentiert einen Code, den es im individuellen Akt des Lesens erst fortlaufend zu entschlüsseln gilt; zwar kann die typographische Gestaltung hier eine gewisse Hilfestellung geben, aber erst einmal  ist der Inhalt eingeschlossen in abstrakten Zeichen. Die (meist bunte) Bildseite ergreift dagegen den Betrachter unmittelbar, spricht seine Emotionen an und erreicht ihn so schneller und nachhaltiger. Schon kleine bildnerische Elemente, wie beispielsweise die bei den Erzählungen Kafkas unter dem Text gedruckten zarten Grauflächen, können verborgene Subtexte andeuten, und erst recht oder umso mehr gilt das für die Wirkung der opulenten ganzseitigen Farblinolschnitte, die den Blick des Lesers gefangen nehmen und ihn hineinziehen ins Geschehen.

Wie kommt es dazu, was alles spielt zusammen, um diesen Sog zu erzeugen, dem man sich so schwer entziehen kann? Über Zapletals Virtuosität im Umgang mit Farben und dass er namentlich den Farblinolschnitt zu höchster Vollendung gebracht hat, ist mit Recht schon viel gesagt und geschrieben worden – auch darüber, dass ihm dies geradezu ein „Alleinstellungsmerkmal“ in der Buchkunstszene verschafft. Man sollte darüber nicht die Meisterschaft übersehen, die er in der figurativen Darstellung erreicht hat, bei gleichzeitiger Offenheit für die ästhetischen Wirkungen der Abstraktion in Linie und Fläche. Die Bedeutung, die der Expressionismus in Wort und Bildsprache für ihn immer gehabt hat, wurde von Svato Zapletal selbst immer wieder hervorgehoben, und die unglaubliche Dynamik, die viele seiner Grafiken kennzeichnet, stellt in der Tat ein schätzenswertes Erbe dieser Strömung dar. Auch Reflexe auf die Kunst der 1920er Jahre finden sich, und verschiedentlich hat man auf Anklänge an Matisse verwiesen, ebenso auf den möglichen Einfluss der (sehr beachtlichen) Traditionen tschechischer Illustrationskunst. Aber was immer hier in Erwägung gezogen worden ist: Die Kunst des Svato Zapletal besticht durch ihre Unverwechselbarkeit, und alle diese Hinweise lösen das Rätsel, wie die Aura und das so überaus Stimmige der im Svato Verlag erscheinenden Bücher zustande kommt, nicht oder nur zum Teil.

Um dieses Geheimnis ein wenig zu lüften, muss man sehr wahrscheinlich bereits früher ansetzen, schon beim Künstler als (Viel-)Leser. Ohne enge, oft über längere Zeit gewachsene Beziehung zu einem Text kommt dieser für einen Druck nicht in Betracht. Und im weiteren Arbeitsprozess setzt sich dieser Einklang von Mensch und Werk immer weiter fort: Letztlich stammt alles aus einer Hand, insofern auch ausgelagerte Setz- und Bindearbeiten stets der von Zapletal verfolgten Gestaltungsidee unterworfen bleiben. Der Künstler ist auch der Verleger, so kann er sicherstellen, dass jedes Buch seinen Vorstellungen entspricht.

Alles dies betrifft mehr die Rahmenbedingungen; darüber hinaus scheint es jedoch einen weiteren, zunehmend wichtigen Grundzug in der Arbeit Svato Zapletals zu geben, der dem Buchbetrachter, der immer nur das Endresultat sieht, verborgen bleibt: das Sich-Einlassen auf Vorgänge, die nicht vom Kopf des Künstlers gesteuert werden und die dem Zufall und der Überraschung Raum geben. Er selbst spricht in diesen Zusammenhängen von „Naturprozessen“ und Momenten des „Magischen“ und bezieht sich dabei auf die (Selbst-)Beobachtung, dass seine Kunstwerke prinzipiell aus der Spannung zwischen Chaos und Ordnung entstehen. Dies beginnt damit, dass er oft stundenlang malt und zeichnet in einem Zustand, den man vielleicht mit der écriture automatique der Surrealisten vergleichen könnte: die Hände verselbständigen sich gleichsam, der Intellekt bleibt ausgeschaltet.

Ein sehr besonderer Fall eines Einbruchs des Naturhaft-Chaotischen in den Schaffensprozess hat sich für Svato Zapletal aus der Begegnung mit dem eigenen Arbeitsabfall ergeben: konkret aus der Wahrnehmung, dass die Mehrfachverwendung von Andruckbögen zur Reinigung der Walzen zufällige Farbverläufe, ja ganze „Farblandschaften“ von großer Schönheit erzeugt und dass dieses Papier durch Quetschungen und Risse in seiner Oberfläche noch weiter verlebendigt wird. Auf diesen „Reinigungspapieren“ – veritablen Palimpsesten – vereinigen sich die Druckspuren früherer Bücher zu einer partiellen Geschichte der Svato-Verlagsproduktion, was diese Papiere besonders geeignet erscheinen ließ für die Verwendung in Jubiläumsbänden wie dem 40. und 50. Band (Georg Heym: Umbra Vitae, 2004 bzw. François Villon: Sieben Balladen, 2009). Eine Steigerung hat dieses Material-Recycling erfahren in dem als „Re-Use-Buch“ angelegten 53. Druck (Simon Traston: Mülltraktat, 2010); hier wurde durch konsequent rekombinatorische Wiederverwendung von Druckstöcken und Klischees sowie durch Collagetechnik jedes Exemplar zu einem Unikat. Es sind diese drei Bücher gewissermaßen nur Zuspitzungen eines Prinzips, das in allen Arbeiten Zapletals eine Rolle spielt: das von ihm als wundersam erlebte Zusammenwirken von Naturprozessen und der ordnenden Hand des Gestalters.

Wenn sich der Leser von der Begegnung mit den so entstandenen Büchern bereichert fühlt, dann hat das also viele Gründe. Ein weiterer davon ist: Svato Zapletal weiß viel vom Menschen, und wie er selbst Autoren der Moderne liebt, auf die genau dieses zutrifft, so gibt er auch selbst dieses Wissen ganz unaufdringlich weiter in seinen Bildern, in denen ein liebevoll-ironisierender Blick auf dem Menschen und seinem Widerspruch ruht, begleitet von feinem Witz und nachsichtigem Humor. Er hat sichtlich besonderes Vergnügen an Texten, in denen Momente des Paradoxalen im gesellschaftlichen Zusammenleben eingefangen werden, nicht zuletzt an solchen, in denen die Absurdität unseres Seins aufblitzt.

Es ist also eine höchst menschenzugewandte Kunst, die Svato Zapletal betreibt. Und ohne Zweifel dürfen wir noch viele spannende, aufregend schöne Bücher von ihm erwarten. Denn soeben hat er sich, im zuletzt erschienenen 70. Buch zu Hans Magnus Enzensbergers „Heureka!“, wieder einmal neu erfunden. Dem Thema der wissenschaftlichen Eroberung der Welt, textlich realisiert im fiktiven Dialog Alexander von Humboldts und seinem Freund und  Kollegen François Arago in der Sternwarte zu Paris, nähert er sich diesmal mit einem ausgefeilten visuellen Konzept, das in der graphisch-abstrakten Darstellung wissenschaftlich erfasster „Abläufe“ ein Ensemble von Farblinien einem streng rationalen, dabei immer noch spielerisch durchexerzierten Kalkül unterzieht. Eine kongeniale Umsetzung der Textidee und vielleicht auch ein subtil kritischer Kommentar zu der ungebrochenen Entdeckungsfreude der beiden Forscher, jedenfalls aber ein klarer Hinweis darauf, dass sich das Sensorium des Künstlers noch immer weiter schärft und sich sein Formen- und Ausdrucksrepertoire fortlaufend erweitert.

Ernst Fischer / Univ.-Prof. Dr. Ernst Fischer, geb. 1951 in Wien, bis 2014 Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


 

Die Werkstatt in Tschechien

2020 fallen alle Messen aus– Büchertisch im Garten! Druckvorbereitung an der Andruckmaschine Nacharbeiten der Linolplatten im Druckprozess
Arbeitstisch mit Linoldruck-Platte und Werkzeug Drucken der Seiten vom Bleisatz Werkstatt – hier entstehen die Bücher und Grafiken

Lebenslauf und Auszeichnungen

1946 in Prag geboren

1964 Fachabitur, danach Arbeit als Maschinenbautechniker, Beifahrer, Zirkusarbeiter

1969 Übersiedlung in die Bundesrepublik, Helfer bei der Weinlese in der Pfalz, danach in Landau/Pfalz als Techniker tätig

1971 – 77 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei Hans Thiemann, Werner Bunz (Malerei), Gerhard Rühm und Richard von Sichowsky (Typografie), mit dem Schwerpunkt Grafik, seitdem als freiberuflicher Künstler arbeitend

1975 erste Buchveröffentlichung

1976 Gründung des Svato Verlags, zusammen mit Renate Hampke und Hajo Lüst

Seit 1979 alleinige Weiterführung des Verlages als eine bibliophil und literarisch orientierte Edition

1976 – 82 verschiedene Tätigkeiten: Bauarbeiter, Stuckrestaurator, Illustrator und Zeichner. In dieser Zeit liegt der Schwerpunkt auf der Malerei, daneben Weiterentwicklung der Grafik- und Buchproduktion.

Seit 1983 – bis heute sind mehr als 77 eigene bibliophil gestaltete Bücher, mehrere Grafikeditionen und Einblattdrucke herausgebracht worden.

Seit 1971 in Hamburg, seit 1994 auch in Tschechien lebend, wo auch die meisten Bücher in seiner eigenen Werkstatt entstehen.

 

Auszeichnungen

1989 „Die schönsten deutschen Bücher“ / Stiftung Buchkunst für  “Blutorange“

1993 „Premio internazionale biennale Felice Feliciano“ / Verona, für  „Blaue Stunde“

2001 „Die schönsten deutschen Bücher“ für „Einsame Liebschaften“

1993 und 2004 – Preis der Kulturbehörde Hamburg für buchkünstlerische Tätigkeit

2017 “V.O. Stomps Preis der Stadt Mainz” Verleihung im Gutenberg-Museum-Mainz anlässlich der Minipressenmesse Mainz