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Buchobjekt: Johann Wolfgang Goethe – Die Natur

 

Das Buch ist bereits vergriffen!

 

In Goethes Nachgelassenen Werken wurde ein Fragment aufgenommen, unter dem Titel Die Natur. Aphoristisch. Um das Jahr 1780.

„Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf…“

So fängt dieser Aufsatz von nicht mal 1000 Worten an. Alexander von Humboldt, Rudolf Virchow, Rudolf Steiner und viele andere würdigten gerade dieses Stück aus Goethes Werken zur Naturbetrachtung. Siegmund Freud fühlte sich davon inspiriert, Medizin zu studieren.

Diese Aussage hat eine überraschende Kraft in sich – die Betrachtung der Natur als eine Urkraft, eine über- aber auch in-uns-wohnende, auf die wir nur rudimentär Einfluss nehmen können; die sich uns entzieht, wo sie will, die uns mütterlich in ihre Arme nimmt… Ein gewaltiger Text, weniger als 1000 Worte, berührend und beglückend, und gerade in jetziger Zeit von großer Aktualität.

Ich wollte ihn als etwas Besonderes herausgeben und fand dafür die Verwendung meiner gesammelten „Reinigungspapiere“*, dieser durch „natürliche Prozesse“ veränderten Papiere, sehr gut passend. Da ich davon immer nur eine begrenzte Menge habe, druckte ich diesmal eine recht kleine Auflage. Durch die Einmaligkeit der einzelnen Papiere ergibt sich ein Unikatcharakter jedes Buches.
Hier ein Beispiel von einer Grafik auf unterschiedlichem Untergrund  – aus zwei Büchern:

 

 

 

 

 

 

 

Johann Wolfgang Goethe Natur –
Text
aus der 21 Punkt halbfetten Gill gesetzt, und wie auch die Grafiken an einer Andruckpresse auf Reinigungspapier* gedruckt, in schwarz oder weiß. Mit acht Farblinolschnitten, 52 Seiten im Querformat, die Maße der Bücher variierend zwischen 35 x 28 und 40 x 31cm, Auflage 16 Exemplare. Alle Grafiken sind nummeriert und wie auch die Zeichnungen im Blatt signiert. Japanische Fadenheftung, alle Exemplare in einem gestalteten, festen Schuber. Dem Buch liegen jeweils eine Mappe mit Skizzen und je eine Farbzeichnung bei. Zusätzlich einer der Farblinolschnitte, sowie der gesamte Text zusätzlich, beides auf weißem Papier. Die Buchbindung besorgte Atelier Krupka.

Das 77. Buch im Svato Verlag, Hamburg, im Juni 2020

vergriffen!

 


 

Urzustand der Reinigungspapiere

* Die Geschichte der Reinigungsapiere

Eine der faszinierenden Begegnungen im künstlerischen Schaffensprozess ist die mit den eigenen Arbeitsresten –
in meinem Fall hauptsächlich Mengen von Druckpapier, das zum Andrucken, für Farbproben und sonst wie vielfach
gebraucht wurde. Da ich beim Drucken des jeweiligen Buches viele verschiedene Farben einsetze (gar nicht zu reden
von Versuchen, einen bestimmten Farbton zu „treffen“) und auf die Walzen auftrage, muss ich diese nach Gebrauch
oder nach nicht gelungenen Versuchen wieder reinigen. Für die vorläufige Reinigung lasse ich erstmal gebrauchte
Papiere durch die Farbwalzen der Maschine laufen, welche die Farbmengen gut aufnehmen. Da ich aber von diesen
(es sind hochwertige Papiere) nicht allzu viel habe, benutze ich die schon beschmierten Bögen bei der nächsten Farb-
reinigung nochmals – meist so oft, bis sie keine Farbe mehr annehmen. Daraus wird dann das „Reinigungspapier“.

Durch die sich überlagernden Farbverläufe, Flecken, Linien und alten Andrucke entstehen die unterschiedlichsten Farblandschaften. Das Papier selbst ist natürlich etwas malträtiert; es zeigt Quetschungen, Knicke – oder auch Risse, die ich für das Buch repariere. Dadurch bekommt jede der Buchseiten einen unverwechselbaren Erscheinungscharakter, wie man an den Bildbeispielen sehen kann.

Vor Jahren begann ich mit dieser Reinigungsmethode der Farbwalzen, und viele der Papiere haben mich fasziniert: Es offenbarte sich überraschende Schönheit – unter den Farblandschaften, die durch das Reinigen der Farben entstanden sind, tauchten frühere Grafiken oder Andrucke von Texten auf; es entstanden neue Bilder oder Bilder in einem anderen Kontext. Also, ich fing an die Papiere aufzuheben.

Einige Jahre später, als sich viele angesammelt hatten, benutzte ich diese Reinigungspapiere für ein Buch: Für den Gedichtzyklus des expressionistischen Dichters Georg Heym Umbra Vitae (2004), später für das Buch mit Gedichten von François Villon Balladen (2009), und ähnlich ging ich vor bei dem Buch von Simon Traston Mülltraktat (2010). Wie im jetzigen Buch, ließ ich auch hier jeweils die linke Seite frei, damit so die Besonderheit der unbedruckten Seiten zur Geltung kommt. Diese Blätter haben eine gewisse Magie, die sich im Zusammenfließen der Naturprozesse* mit dem eigenen gestalterischen Tun offenbart. Ich benutze diese Prozesse quasi als den Boden, auf dem sich eine eigene Geschichte abspielt.

* und was ist es anderes, als ein Naturprozess, wenn ich auf den Andruckpapieren – die schon für sich überraschende Zusammenhänge übereinander gedruckter Grafikelemente und Texte offenbaren – beim reinigenden Durchlauf durch die Farbwalzen der „Natur“ freien Lauf lasse?

Svato Zapletal